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Blasenentzündung
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Blase? Alles im Griff!

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5 Min.

Wenn Wasserlassen zur Qual wird

Lästig und ein Tabuthema: Harnwegserkrankungen bei Frauen. Ob eine Harwegs-Erkältung oder -Entzündung, welche als Erkrankungen ohne Bakterien gelten, oder eine Infektion: Sie sind einfach nur schmerzhaft und unangenehm. Wie kann man sich davor schützen? Die Frauenpraxis Runa zeigt, wie es geht.

Eine Infektion verläuft meist aufsteigend. Sie befällt zuerst die Harnröhre, dann die Blase, später eventuell auch die Harnleiter (Flankenschmerzen) und die Nierenbecken (Rückenschmerzen). Zeichen einer Harnröhren-Infektion sind: Brennen der Harnröhre beim Wasserlösen (Achtung Verwechslung: Ein entzündeter Scheideneingang z.B. bei Pilzinfektion kann auch brennen, wenn Urin darüberläuft). Zeichen einer Blasen-Infektion sind: Schmerzen in der Blase (über dem Venusbein, bzw. Schambein) beim Wasserlösen und vor allem gegen Ende des Wasserlösens. Wenn solche Beschwerden vorliegen und mit den folgenden Massnahmen nicht in 2–3 Tagen verschwinden oder deutlich besser werden, ist eine Untersuchung bei der Frauenärztin oder bei der Hausärztin angezeigt. Eine ärztliche Abklärung ist immer angezeigt bei Blut im Urin, Fieber und in die Flanken Richtung Nieren aufsteigenden Schmerzen (Gefahr einer Nierenbeckenentzündung). Meist sind dann Antibiotika unumgänglich.

Gründe und Behandlungsvorschläge

Die Gründe für Beschwerden rund ums Wasserlassen sind vielfältig. Es können mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen.

1. Ungenügende Flüssigkeitsaufnahme

Viele Frauen trinken zu wenig. Je weniger wir trinken, desto konzentrierter ist der Urin und desto mehr reizt er die Schleimhäute der Blase, der Harnröhre und auch des Scheideneingangs. Je verdünnter der Urin, umso weniger reizt er. Deswegen: Gewöhnen Sie sich an, 2 Liter wässrige, ungesüsste temperierte Flüssigkeit – nicht eiskalt aus dem Kühlschrank – pro Tag zu trinken (gilt nur für Herz- und Nierengesunde). Trinken Sie im Sommer bei grosser Hitze so viel, dass der Urin schön verdünnt hellgelb bleibt. Harnwegsinfektionen im Sommer sind häufig und meist auf eine ungenügende Trinkmenge zurückzuführen.

Bei Beschwerden: Trinken, trinken, trinken. Erhöhen Sie Ihre gewohnte Trinkmenge umgehend auf 1 Liter mehr pro Tag, davon 1 Liter Heiltee z. B. Blasentee- Mischung mit Bärentraube für die ersten 3–5 Tage, dann ohne Bärentraube für weitere Tage oder Wochen (keine Bärentraube während der Schwangerschaft). Es gibt viele geeignete Teemischungen, die desinfizierend und durchspülend auf die Harnwege wirken. Nehmen Sie zusätzlich in der akuten Phase 3 dl Preiselbeersaft über den Tag verteilt zu sich; zum Ausheilen und prophylaktisch 1 dl vor dem Schlafengehen. Meiden Sie Kaffee, Schwarztee (reizen die Blase) und Alkohol (kühlt die Blase). Nehmen Sie sich viel Ruhe und Zeit für sich.

2. Kälte

Kalte Füsse und Sitzen auf kalter Unterlage lösen durch Nervenreflexe eine Minderdurchblutung der Blase aus und begünstigen eine Erkältung oder eine Infektion. Vorbeugend: Sorgen Sie für eine jahreszeitlich adäquate Kleidung und entsprechende Schuhe. Halten Sie die Nierengegend, den Unterleib und die Füsse warm. Verzichten Sie auf Strings und bauchfreie Kleidung.

Bei Beschwerden: Bereiten Sie sich bei den ersten Anzeichen ein warmes Fussbad zu. Ein warmes Sitzbad ist wohltuend für die Blase – die Blase liebt Wärme. Tagsüber wärmt eine Lage gekardeter Schafwolle (Heilwolle), welche Sie direkt auf der Haut über der Blase tragen. Nachts hilft eine weiche, warme Bettflasche. Legen Sie sich einen wärmenden Ingwer-Wickel über die Blase und die Nieren*.

3. Trockene, dünne, lädierte Haut im Intimbereich

Normalerweise leben im Intimbereich am Scheideneingang, am Damm und um den After Darm- und Scheidenkeime (Bakterien und Pilze) friedlich nebeneinander. Wenn die Haut gesund ist, sind die Abwehrkräfte intakt. Der Frieden kann durch zu häufiges Waschen des Intimbereichs gestört werden. Wasser allein trocknet die Haut bereits aus, der zusätzliche Gebrauch von Seife zerstört den schützenden Säuremantel. Die eigenen Darm- oder Scheidenkeime können die lädierte Haut und Schleimhaut angreifen und eine Infektion verursachen. Vorbeugend: Fetten, fetten, fetten, um die Haut zu pflegen und zu schützen.

Junge Frauen: Verwenden Sie ein liebevolles Öl, z. B. Rosenöl, Granatapfelöl, aber auch Olivenöl, Rapsöl, eine neutrale unparfümierte Fettcrème etc. Wechseljährige und ältere Frauen: Die in diesem Alter oft dünnere Intimhaut kann gut mit pflanzlichen Crèmes gepflegt werden, z. B. eine vaginale Kräutercrème oder eine Raponticumcrème (rezeptpflichtig). Wenn Sie zusätzlich an einem störenden Harndrang leiden, kann eine milde Hormoncrème die Harnröhre polstern helfen und damit den Harndrang abfedern. Bei Beschwerden: Pflege intensivieren.

4. Liebesspiel als Auslöser von Beschwerden

Durch Geschlechtsverkehr und andere Sexualpraktiken können Keime in die Harnröhre der Frau gelangen und den kurzen Weg von ein paar Zentimetern hoch in die Blase massiert werden. Dort können die Keime eine Infektion auslösen. Vorbeugend: 1. Blase leeren nach dem Sex: Stehen Sie nach dem Liebesspiel zügig auf und entleeren Sie die Blase, um allfällige in die Harnröhre eingedrungene Keime hinauszuspülen. Vor dem Sex Wasser trinken hilft, damit nachher überhaupt Urin in der Blase ist. 2. Stimmiger Sex : Wenn Harnröhren- und Blasenbeschwerden regelmässig nach Geschlechtsverkehr auftreten, lohnt es sich, mal in sich hineinzuhorchen und zu überprüfen, ob diese Form des Liebesspiels wirklich stimmt. Was sind Ihre intimsten Wünsche und Bedürfnisse? Teilen Sie sich Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin mit, tauschen Sie Erfahrungen mit Freundinnen aus.

Bei Beschwerden: Geschlechtsverkehr-Pause! Hingegen sind Orales, Zärtlichkeit, Wärme, Kuscheln, Verwöhntwerden heilsam.

5. Stress

Stress, Sorgen, Überlastung, Beziehungskonflikte, ungenügender oder schlechter Schlaf, ungeklärte Fragen zum Frausein und zur Sexualität können auch Ursache von immer wiederkehrenden Beschwerden sein. Vorbeugend: Stress abbauen, Konflikte lösen.

Bei Beschwerden: Nehmen Sie Ihre Beschwerden ernst. Nehmen Sie sich eine Auszeit, viel Ruhe, sagen Sie Termine ab, machen Sie sich z. B. einen Blasen-Wickel, kümmern Sie sich liebevoll um sich!

* Ingwer-Wickel : 1–2 Teelöffel Ingwerpulver auf eine lauwarm durchgefeuchtete Kompresse oder Windel streuen. Kompresse auf die Blase oder die Nierengegend legen, sich mit Frotte-, Lein- oder Wolltuch einwickeln und den Wickel eine gute halbe Stunde einwirken lassen. Ingwer entwickelt eine angenehme Eigenwärme. Selten mal kann er die Haut reizen. Nach dem Wickel ruhen, die Reste Ingwerpulver entfernen und die Haut einölen, z. B. mit Olivenöl. Ferner: einigen Frauen hilft die regelmässige Einnahme von D-Mannose in Pulver- oder Dragéeform.

 

Quelle: Frauenpraxis Runa

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