Veröffentlicht am 08.10.2025 in Mentale Gesundheit

Gedankenkarussell stoppen: Was tun, wenn das Grübeln kein Ende nimmt?

Kennen Sie das Gefühl, wenn sich die eigenen Gedanken im Kreis drehen – und keine Lösung in Sicht ist? Damit sind Sie nicht allein. Wir zeigen Ihnen, wie Sie das Gedankenkarussell stoppen können – Schritt für Schritt mit fundierten und praktischen Tipps und Strategien aus der Psychotherapie.

Ob nach einem Streit, vor einer wichtigen Entscheidung oder einfach abends im Bett – viele Menschen kennen das Gefühl, in Gedankenschleifen festzustecken. Dieses Gedankenkarussell, das Psychologinnen und Psychologen auch als Grübeln oder Rumination bezeichnen, ist belastend und kann auf Dauer zu ernsthaften psychischen und körperlichen Beschwerden führen. 

Doch es gibt Wege, dem Grübeln zu entkommen – mit einfachen Übungen und langfristigen Strategien.

Was ist ein Gedankenkarussell – und warum grübeln wir überhaupt?

Grübeln beschreibt das immer wiederkehrende, kreisende Nachdenken über belastende Themen. Typischerweise drehen sich diese Gedanken um vergangene Erlebnisse, aktuelle Konflikte oder imaginierte Szenarien – meist ohne zu einer Lösung zu führen.  

Wir grübeln, weil wir hoffen, durch Nachdenken Klarheit oder Kontrolle zu gewinnen. Oft passiert aber das Gegenteil: Grübeln führt zu mehr Selbstzweifeln, gedrückter Stimmung und innerer Erschöpfung. 

Überraschenderweise glauben viele Menschen, dass Grübeln hilft – etwa dabei, sich selbst besser zu verstehen, Fehler zu vermeiden oder die Kontrolle zu behalten. Doch Studien zeigen: Grübeln führt selten zu Lösungen. Im Gegenteil – es lässt Probleme oft noch grösser erscheinen. Der erste Schritt ist, zu bemerken, wann wir grübeln – und sich dann ehrlich zu fragen: «Hilft mir das gerade wirklich?» 

Warum Grübeln der Gesundheit schadet 

Wer dauerhaft grübelt, setzt sich unter inneren Stress – und das wirkt sich auf Körper, Psyche und Beziehungen aus. 

Psychische Auswirkungen von Grübeln: 

Grübeln verstärkt negative Gefühle wie Angst, Stress und Niedergeschlagenheit. Es kann das Selbstwertgefühl schwächen, Entscheidungen erschweren und auf Dauer zu einer depressiven Verstimmung führen.  

Körperlich Auswirkungen von Grübeln: 

Ständiges Gedankenkreisen hält uns in Alarmbereitschaft. Das stört den Schlaf, erschöpft, verursacht Muskelverspannungen und begünstigt körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen. Auch das Immunsystem leidet – man wird anfälliger für Infekte. 

Soziale Auswirkungen von Grübeln: 

Wer grübelt, zieht sich oft zurück, reagiert gereizter oder distanzierter – das belastet Freundschaften, Partnerschaften und das soziale Miteinander. Forscher haben herausgefunden, dass Grübeln sich selbst verstärkt: Je länger man in Gedankenschleifen festhängt, desto mehr negative Erinnerungen und Bewertungen werden aktiviert – und desto bedrückender fühlt sich alles an (Nature Review, 2015) 

Darum lohnt es sich, frühzeitig gegenzusteuern. 

Möchten Sie weitere kurzfristige Kontrollstrategien und Tipps gegen ständiges Grübeln?

Zusammen mit ​​Expertinnen und Experten der Psychotherapie-Plattform Aepsy haben wir ein kostenloses Workbook mit wertvollen Tipps und Übungen ​​zum Umgang mit dem Gedankenkarussell erarbeitet.

Soforthilfe: ​4 Tipps, um das Gedankenkarussell zu stoppen 

Manchmal braucht es schnelle Hilfe. Diese erprobten Tipps und Übungen tragen dazu bei, akutes Grübeln zu unterbrechen und wieder handlungsfähig zu werden: 

 1. Die Zwei-Minuten-Regel 

Prüfen Sie, ob Ihr Denken produktiv ist. Fragen Sie sich:  

  • Habe ich etwas verstanden, was mir bisher nicht klar war? 
  • Bin ich einer Lösung nähergekommen? 
  • Fühle ich mich besser? 

Wenn nicht – grübeln Sie wahrscheinlich. Dann helfen Ihnen Tipps zwei bis vier.  

2. Bewusste Ablenkung 

Hören Sie Musik, telefonieren Sie mit einem Freund oder einer Freundin, gehen Sie spazieren oder ​eine Runde joggen. Wichtig ist: Die Aktivität sollte Ihre Aufmerksamkeit wirklich binden. 

3. Grübelaufschub 

Schreiben Sie kurz auf, worüber Sie grübeln – und verschieben Sie das Nachdenken bewusst auf einen festen Zeitpunkt am Tag (z. B. 17:00 Uhr, maximal 20 Minuten).  

4. Aufmerksamkeit ​​​​umlenken 

Üben Sie, Ihre Wahrnehmung gezielt nach aussen zu richten – z. B. auf Geräusche oder Gerüche. Das trainiert die Fähigkeit, sich vom inneren Kreisen zu lösen. 

4 Strategien, um langfristig mit dem Grübeln aufzuhören 

Akute Hilfe ist wichtig – doch um dauerhaft aus dem Gedankenkarussell auszusteigen, braucht es mehr. Folgende vier Strategien können Ihnen dabei helfen, längerfristig mit dem Grübeln aufzuhören: 

 1. Grübeln unter die Lupe nehmen 

Erkennen Sie Ihre persönlichen Auslöser, Grübelthemen und dahinterstehende Erwartungen. Notieren Sie regelmässig Situationen, Gedanken und Auswirkungen. 

Eine detaillierte Anleitung dazu erhalten Sie im ​​Workbook «Gedankenkarussell stoppen». 

 2. Gedankliche Gewohnheiten durchbrechen 

Gedanken sind keine Fakten. Techniken wie die Übung «Blätter im Fluss» helfen, sich nicht in Gedanken zu verstricken und – wenn regelmässig durchgeführt – die Fähigkeit zur Akzeptanz belastender Gedanken zu erhöhen. 

Die Anleitung ​​finden Sie auch hier im kostenlosen Workbook.  

 3. Probleme konkret angehen 

Statt diffus zu grübeln: Beschreiben Sie das Problem, formulieren Sie ein Ziel, entwickeln und bewerten Sie Lösungsmöglichkeiten – Schritt für Schritt. 

Mehr zum strukturierten Problemlösen ​​finden Sie im Workbook.  

 4. Gefühle ordnen statt kreisen lassen 

Wenn Grübeleien um belastende Erinnerungen oder ungelöste Erfahrungen kreisen, kann freies Schreiben helfen. Es schafft inneren Abstand und bringt Klarheit ins Gefühlschaos.  

Probieren Sie es selbst – mit der Anleitung ​zum Schreibexperiment im Workbook.  

Das Gedankenkarussell stoppen – meine persönliche Empfehlung als Psychotherapeutin 

Wenn Sie nur einen Impuls mitnehmen: Starten Sie damit, Ihr Grübeln unter die Lupe zu nehmen. Viele meiner Klientinnen und Klienten berichten, dass allein das bewusste Beobachten eine neue Klarheit schafft. Kombinieren Sie es mit regelmässiger Achtsamkeit – z. B. der «Blätter im Fluss» -Übung – und Sie schaffen eine gute Basis, um das Gedankenkarussell zu stoppen. Im Artikel ​«Achtsamkeit im Alltag» gibt Ihnen mein Kollege André Merkli weitere Tipps, wie Sie ​​Achtsamkeit üben können.  

Und wenn es alleine nicht gelingt: Professionelle Online-Therapie kann helfen, festgefahrene Muster zu durchbrechen. Mit ​​der Zusatzversicherung Atupri Intense werden psychologische Coachings und präventive Therapien auf ​Aepsy mittlerweile sogar unterstützt – ein erster Schritt kann viel verändern. 

Sie möchten präventiv und unkompliziert von einer Psychotherapie profitieren?

Mit der Zusatzversicherung Atupri Intense erhalten Versicherte bis zu CHF 2'000.– an Online-Psychotherapie-Sitzungen über Aepsy.

Häufige Fragen zum Gedankenkarussell

Oft stecken unbewusste Erwartungen dahinter – z. B. dass Grübeln hilft, Probleme zu lösen oder sich selbst besser zu verstehen. 

Nicht abschalten – umlenken. ​Achtsamkeit, Ablenkung und Grübelaufschub helfen, akute Gedankenkreise zu unterbrechen. 

Verlegen Sie das Grübeln aktiv auf einen festen Zeitpunkt am Nachmittag für maximal 30 Minuten. Führen Sie ein Abendritual ein, z. B. mit Atemübungen. 

Ja – psychisch (z. B. Depression, Angst) und körperlich (z. B. Schlafstörungen, Erschöpfung). Wer ständig grübelt, fühlt sich oft dauerhaft gestresst.  

Wenn das Gedankenkarussell Ihren Alltag, Ihre Beziehungen oder Ihr Wohlbefinden stark beeinträchtigt – zögern Sie nicht, sich Unterstützung zu holen – beispielsweise über den ​​Psychotherapie-Matching-Dienst «Aepsy». Dort können Sie in wenigen Schritt eine Online-Psychotherapie-Sitzung buchen. Zusatzversicherungen wie ​​Atupri Intense beteiligen sich dort an den Kosten.  

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Aepsy und wurde mit Unterstützung der Psychotherapeutin Dr. Karin Hammerfald erarbeitet.

Über die Autorin:   

Dr. Karin Hammerfald, Psychotherapeutin 

Dr. Karin Hammerfald verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Psychotherapie, in der Supervision und im Coaching. Mit einem strukturierten und lösungsorientierten Vorgehen unterstützt sie Menschen in herausfordernden Lebenssituationen. Das Ausschöpfen brachliegender Ressourcen und Potenziale ist zentral für Dr. Karin Hammerfald.

Über unsere Kooperation mit Aepsy:  

Wir arbeiten mit Aepsy zusammen, um Ihnen einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu qualifizierter psychologischer Unterstützung zu ermöglichen. So möchten wir sicherstellen, dass Sie sich sowohl körperlich als auch ​​mental bestmöglich betreut fühlen. 


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