Achtsamkeit im Alltag: Übungen und Apps für mehr Mindfulness
Umfragen wie diejenige der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften aus dem Jahr 2025 zeigen, dass jede dritte erwerbstätige Person unter emotionaler Erschöpfung leidet. Fast die Hälfte gibt an, sich ständig leistungsfähig zeigen zu müssen – unabhängig vom aktuellen psychischen Befinden.
Das Kontrollprinzip dominiert dabei oft unser Leben. Wir glauben, dass wir sowohl äussere als auch innere Probleme durch gezielte Handlungen lösen können. Wenn etwas nicht funktioniert, wird es repariert. Wenn wir uns schlecht fühlen, suchen wir nach Tools, Tricks oder Tipps. Doch was tun wir, wenn sich unser innerer Zustand eben nicht so einfach verändern lässt?
Hier kommt die Achtsamkeit ins Spiel. Sie bietet einen radikal anderen Zugang: beobachten statt verändern. Aber wie wechseln wir vom «Tun-Modus» in den «Sein-Modus»? Und was bedeutet Achtsamkeit überhaupt?
Was ist Achtsamkeit überhaupt?
Achtsamkeit, auch häufig «Mindfulness» genannt, beschreibt eine bestimmte Form der Aufmerksamkeit, die:
- bewusst,
- auf den gegenwärtigen Moment gerichtet
- und nicht urteilend ist.
Achtsamkeit bedeutet, wach und präsent zu sein, ohne automatisch zu bewerten oder verändern zu wollen. Anders als Konzentration, die die Aufmerksamkeit fokussiert, öffnet sich Achtsamkeit dem gesamten Erleben.
Akzeptanz als zentraler Aspekt der Achtsamkeit
Ein zentraler Aspekt ist dabei Akzeptanz. Gemeint ist nicht ein passives Erdulden von Umständen, die wir verändern könnten, etwa eine destruktive Beziehung oder ein gesundheitsschädigendes Verhalten. Es geht vielmehr darum, unsere momentanen inneren Reaktionen anzunehmen, ohne sie sofort kontrollieren oder loswerden zu müssen.
Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen dürfen so sein, wie sie sind, ohne dass wir sie optimieren müssen. In einer Welt, die ständig Beschleunigung fordert, ist Achtsamkeit eine Praxis der Entschleunigung. Sie bringt uns zurück zu dem Ort, an dem Veränderung wirklich beginnt: dem Jetzt.
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Was bringt Achtsamkeit?
Achtsamkeit ist kein esoterisches Konzept, sondern gründlich erforscht. Zahlreiche Studien belegen die Wirkung von «Mindfulness»:
- Reduktion von Stress: Ein systematisches Review mit Meta-Analyse (Journal of Psychosomatic Research, 2014) zeigt, dass achtsamkeitsbasierte Interventionen wie die Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR) signifikant Stress reduzieren. Dem Thema «Stress» widmen wir uns auch im Artikel «Stress bei sich und anderen erkennen».
- Veränderung des Gehirns: Nach acht Wochen MBSR fanden sich strukturelle Veränderungen in Hirnregionen, die für Emotionsregulation, Gedächtnis und Selbstwahrnehmung zuständig sind (Psychiatry Research, 2011).
- Senkung des Cortisolspiegels: Eine kontrollierte Studie zeigte, dass Achtsamkeitspraxis den Cortisolspiegel, einen biologischen Marker für Stress, messbar senken kann (Journal of the Medical Association of Thailand, 2013).
- Weniger Grübeln, mehr Resilienz: Achtsamkeit reduziert wiederkehrende negative Gedanken (Grübeln, Gedankenkarussell oder Overthinking) und stärkt emotionale Resilienz. Diese belegen Studien (z. B. Emotion, 2010).
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4 alltagstaugliche Übungen für mehr Achtsamkeit
Um von diesen Effekten profitieren zu können, erfordert Achtsamkeit jedoch regelmässiges Üben. Folgende vier Achtsamkeitsübungen sind besonders alltagstauglich. Lesen Sie Übung für Übung durch und probieren Sie es gleich aus.
- Somatische Achtsamkeit – drei Minuten Atemraum: Legen Sie eine Hand auf Ihren Bauch. Spüren Sie, wie sich Ihr Atem ausdehnt und wieder zurückzieht. Bei dieser Übung geht es nicht darum, den Atem zu verändern, sondern stattdessen wahrzunehmen, wie er fliesst. Das hilft Ihnen, in hektischen Situationen wieder zu sich zu finden.
- Emotionale Achtsamkeit – innerer Wetterbericht: Setzen Sie sich bequem hin. Wie fühlt sich Ihr innerer Zustand an? Windig, trüb, sonnig, neblig? Beschreiben Sie Ihr Erleben in Bildern, ohne es zu analysieren oder zu verändern. Diese Übung hilft, Gefühle aus der Beobachterperspektive wahrzunehmen. Bilder schaffen Distanz zum inneren Erleben.
- Sensorische Achtsamkeit – Detektiv der Sinne: Suchen Sie drei Details in Ihrem Raum, die Ihnen noch nie aufgefallen sind. Vielleicht eine Textur, ein Schatten oder ein leises Geräusch. Erforschen Sie sie mit kindlicher Neugier. Neue Eindrücke im Vertrauten zu entdecken, hilft, in die Gegenwart zu kommen. Nutzen Sie dazu alle Sinne.
- Fokussierte Achtsamkeit – Kerzenfokus: Schauen Sie fünf Minuten lang auf eine brennende Kerze. Beobachten Sie Form, Bewegung und Lichtspiel. Wenn Gedanken abschweifen, bringen Sie Ihre Aufmerksamkeit liebevoll zur Flamme zurück. Diese Übung fördert Zentrierung, beruhigt die Gedanken und hilft auch beim Einschlafen.
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3 Apps die Achtsamkeit unterstützen
Achtsamkeit bedarf Übung. Wie auch andere «Fähigkeiten» gilt es dranzubleiben und regelmässig «zu trainieren». Achtsamkeit lässt sich auch digital gut unterstützen und Apps helfen beim Einstieg in eine regelmässige Praxis:
Headspace: Mental-Health-App für Meditation & Schlaf
Eine der bekanntesten Achtsamkeits-Apps weltweit heisst Headspace. Die App ist ideal für den Einstieg. Die Meditationen sind einfach, alltagsnah und humorvoll gestaltet. Es gibt Programme zu Themen wie Stress, Schlaf, Fokus oder Umgang mit Emotionen.
InsightTimer: weltweit grösste Sammlung an kostenlosen Meditationen
Eine kostenlose App mit über 100’000 geführten Meditationen, Vorträgen und Musikstücken. Besonders geeignet für Menschen, die gerne aus einer grossen Auswahl wählen oder gezielt nach bestimmten Themen suchen.
Calm: für besseren Schlaf, gegen Stress und für mehr Achtsamkeit
Calm gehört zu den beliebtesten Mental-Health-Apps überhaupt. Die App bietet Tools, Übungen und Kurse zum Einschlafen, zur Stressbewältigung und für mehr Achtsamkeit.
Zusatzversicherungen, die sich an Abo-Kosten für Mental-Health-Apps beteiligt
Mit unseren Zusatzversicherungen Atupri Mivita Reala und Atupri Intense beteiligen wir uns an den Kosten von Apps wie Headspace, InsightTimer, Calm sowie weiteren Mental-Health-Apps. Bei Atupri Intense liegt die Kostenübernahme bei jährlich 75 Prozent bis zu CHF 500.– und bei Mivita Reala bei jährlich 50 Prozent bis zu CHF 200.–.
Achtsamkeit im Alltag – mein persönlicher Tipp als Therapeut
Viele Menschen nehmen sich vor, regelmässig Achtsamkeit zu praktizieren, und scheitern. Nicht aus Faulheit, sondern weil der Einstieg oft zu hoch angesetzt ist. Ich empfehle oft: Beginnen Sie nicht mit der stillen Meditation, sondern mit Bewegung, Tanzen, Schütteln oder einfach tief Durchatmen.
Bewegung und Atmung hilft den Alltagsstress aus dem Körper zu bringen, danach fällt es deutlich leichter eine stille Achtsamkeitsmeditation zu machen und Ruhe zu finden. Weiter können kleine Rituale helfen. Zum Beispiel jeden Morgen beim Zähneputzen oder in der Kaffeepause drei Atemzüge bewusst wahrnehmen. Weniger ist mehr. Lieber oft kurz als selten lang.
Wenn Sie sich wirklich schwer tun mit der Achtsamkeit im Alltag, dann lohnt es sich auch im Rahmen einer Psychotherapie Übungen und Strategien durchzugehen. Mit Aepsy geht das auch unkompliziert und bequem von zu Hause aus.
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Häufige Fragen zur Achtsamkeit
Achtsamkeit ist die bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments. Ohne Bewertung, mit akzeptierender Haltung. Achtsamkeit ist ein zentrales Konzept in vielen psychologischen Methoden. «Mindfulness» – wie Achtsamkeit auch bei uns oft genannt wird – kommt ursprünglich aus östlichen spirituellen Traditionen. Das Konzept unterstützt die Selbstregulation und den Umgang mit Stress.
Wenn sie bewusst erlebt wird und die Verbindung zum Hier und Jetzt stärkt, gilt eine Fantasiereise als achtsam. Der Fokus sollte dann auf dem sein, was auftaucht: Körperempfindungen, Gefühle und innere Bilder. Nicht Flucht in eine Fantasie steht im Vordergrund, sondern das Beobachten was ist.
Emotionale Achtsamkeit ist das bewusste Wahrnehmen von Gefühlen, ohne sie sofort zu analysieren oder verändern zu wollen. Das Erkennen von Gefühlen im Körper (z. B. Druck, Enge, Wärme), Gedanken, und Bewertungen zählen dazu. Es gilt, Raum zu schaffen für Selbstmitgefühl und Akzeptanz statt Reaktivität oder Abwehr.
Durch regelmässige Meditationspraxis (z. B. Atembeobachtung). Im Alltag erlernen Sie Achtsamkeit durch achtsame Tätigkeiten (z. B. Gehen, Essen, Zuhören). Apps, Kurse oder eine therapeutische Begleitung (Acceptance and Commitment Therapy) beispielsweise über Aepsy können unterstützen. Körperübungen wie Yoga oder progressive Muskelentspannung können ebenfalls als Achtsamkeitspraxis genutzt werden.
Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Aepsy und wurde mit Unterstützung des Psychotherapeuten André Merkli erarbeitet.
Über den Autor:
André Merkli, Psychotherapeut
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André Merkli ist eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut mit Erfahrung in ambulanten und institutionellen Kontexten. Er unterstützt Menschen dabei, sich selbst besser zu verstehen, neue Perspektiven zu entwickeln und konkrete Schritte in Richtung Veränderung zu gehen. Dabei setzt er auf unterschiedliche Therapieansätze – darunter auch achtsamkeitsbasierte und östliche Konzepte.
Über unsere Kooperation mit Aepsy:
Wir arbeiten mit Aepsy zusammen, um Ihnen einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu qualifizierter psychologischer Unterstützung zu ermöglichen. So möchten wir sicherstellen, dass Sie sich sowohl körperlich als auch mental bestmöglich betreut fühlen.
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