Veröffentlicht am 06.10.2025 in Mentale Gesundheit

People Pleasing verstehen: Ursachen und Strategien gegen die Harmoniesucht

Von Harmoniebedürfnis zu mehr Selbstsicherheit: Lernen Sie, wie Sie People Pleasing verstehen und so Grenzen setzen können – um sich im Alltag unbeschwerter zu fühlen.
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Kennen Sie das Bedürfnis, es immer allen recht machen zu wollen? Können Sie die Stimmung in einem Raum sofort erfassen und fühlen Sie sich automatisch verantwortlich dafür, die Harmonie wiederherzustellen?  

Es kann sein, dass Sie dauerhaft gestresst sind und sich durch fehlende Grenzen mehr aufhalsen, als Sie Zeit und Energie haben. Sie gehen Konflikten lieber aus dem Weg und sagen «Ja», obwohl Sie innerlich «Nein» meinen. In der Umgangssprache hat sich für dieses Verhalten längst der Begriff People Pleasing etabliert – häufig sogar in abwertender Weise. Aber was bedeutet das eigentlich genau? 

Was bedeutet ​People Pleasing? 

People Pleasing heisst nicht einfach nur, nett oder hilfsbereit zu sein. Es beschreibt ein tief verankertes Bedürfnis, die Erwartungen anderer zu erfüllen – und zwar oft auf Kosten der eigenen Bedürfnisse und häufig auch derer des Gegenübers. 

Auf Deutsch könnte man es als «Überverantwortlichkeit» bezeichnen. Oft wird People Pleasing im Deutschen auch als «Harmoniesucht» übersetzt oder umschrieben als «jemandem gefallen wollen».  

Doch People Pleasing ist keine einzelne Verhaltensweise und schon gar keine Charakterschwäche. Dahinter verbirgt sich vielmehr ein komplexer psychischer Anpassungsmechanismus, der sich unter bestimmten biografischen Umständen zu einem stark automatisierten Verhaltensmuster entwickeln kann. Dieses kann langfristig Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit haben. 

Möchten Sie lernen, mit People Pleasing umzugehen? Dann sind Sie nicht allein. Deshalb haben wir zusammen mit Expertinnen und Experten der ​​Psychotherapie-Plattform Aepsy ein kostenloses Workbook mit wertvollen Tipps und Übungen zum Umgang mit People Pleasing erarbeitet:

Typische Anzeichen von People Pleasing – so erkennen Sie Menschen im People Pleaser-Modus 

Folgende Merkmale sind typisch für People Pleasing​​: 

  • Übermässiges Verantwortungsgefühl für Probleme oder Gefühle anderer 
  • Viel geben, auch wenn es nicht erwartet oder gewünscht wird 
  • Das Gefühl, immer etwas leisten zu müssen, um überhaupt akzeptiert zu werden 
  • Perfektionismus 
  • Hohe Sensibilität für die Stimmung anderer 
  • Konfliktvermeidung und Harmoniesucht 
  • Häufige Schuldgefühle 
  • Grübeln nach sozialen Begegnungen 

Aus körperpsychotherapeutischer Sicht spricht man von «Selbstkontakt», wenn ein Mensch sich selbst präsent wahrnehmen und beobachten kann. 

Wer in den «People-Pleasing-Modus» fällt, entfernt sich oft vom eigenen Selbst, spürt sich kaum noch und stellt sich zurück. Diese «Selbstlosigkeit» zeigt sich häufig als Gefühl von Bedürfnislosigkeit oder innerer Leere, wenn jemand in der Gruppe nach einer Meinung oder dem eigenen Befinden befragt wird. 

Fehlender Selbstkontakt kann mit geringem Selbstwert einhergehen, mit grossen Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen – denn eine Entscheidung wird selten allen gerecht – mit dem Gefühl, in Beziehungen ausgenutzt zu werden und mit dem Risiko, dauerhaft über die eigenen psychischen und physischen Grenzen hinauszugehen. 

Ursachen von People Pleasing  

People Pleasing hat den Ursprung meist in der Kindheit. Hier lernen wir die wichtige Fähigkeit, uns anderen anzupassen.  

Evolutionäre Ursachen von People Pleasing 

Sie ermöglicht unser Zusammenleben in Gruppen und macht auch evolutionär Sinn: Kinder sind auf die Fürsorge ihrer Bezugspersonen angewiesen. Ablehnung oder Ausgrenzung kann ihr Überleben gefährden. 

Wenn jedoch eine Umgebung übermässig viel Anpassung fordert – zum Beispiel, wenn Kinder für die Stimmung im Elternhaus verantwortlich gemacht werden – können sich tiefe Glaubenssätze bilden wie: «Ich bin egoistisch, wenn ich auf mich selbst achte.» 

«Parentifizierung» als Ursache von People Pleasing 

«Parentifizierung» geschieht, wenn Eltern ihre eigenen emotionalen Bedürfnisse nicht regulieren können und Kinder stattdessen Verantwortung übernehmen. Diese Kinder fühlen sich oft für die Gefühle der Erwachsenen zuständig oder übernehmen Ersatzpartnerrollen.  

Im Erwachsenenalter führt das dazu, dass eigene Bedürfnisse kaum wahrgenommen oder nicht kommuniziert werden. Häufig meldet sich erst eine tiefe Erschöpfung, eine Depression oder eine andere stressbedingte Erkrankung, bevor die Frage nach dem eigenen Wohlbefinden auftaucht. 

Warum sind Frauen häufiger von People Pleasing betroffen?  

Alle Geschlechter können einen ausgeprägten «People-Pleasing-Modus» haben. Frauen sind jedoch deutlich häufiger betroffen als Männer. Grund dafür sind geschlechtsspezifische gesellschaftliche Erwartungen, Benachteiligung und Marginalisierung, was zu einer erhöhten Anpassungsleistung führen kann. Darum belegen Studien und Umfragen, dass Frauen häufiger unter People Pleasing leiden als Männer.  

Was ist der beste Umgang mit People Pleasing? 

Viele möchten lernen, damit aufzuhören, doch People Pleasing ist nicht grundsätzlich schlecht. Menschen mit dieser Tendenz sind oft sozial kompetent, zielstrebig und leistungsfähig. Sie sind es zum Beispiel, die Feste organisieren, Prüfungen bestehen oder ​(Halb-)Marathons laufen.  

Es ist jedoch auch so, dass Menschen im People Pleaser Modus auch grenzüberschreitend sein können in der Beziehung zu anderen Menschen, ein geringes Selbstwertgefühl haben und dauernd unausgesprochene Gegenleistungen erwarten. 

Eine Auseinandersetzung mit der eigenen Anerkennungs- und Harmoniebedürftigkeit bedeutet also auch Arbeit mit den eigenen blinden Flecken oder Schattenseiten. Hier ist eine beobachtende, selbstmitfühlende und ehrliche Herangehensweise wichtig. 

Die wirklich wichtige Frage lautet also: Kann ich frei entscheiden, wann ich in diesen Modus gehe – und wann nicht?  

Bei der Beantwortung dieser Frage kann Sie eine professionelle Psychotherapie unterstützen. Dank Angeboten wie dem von Aepsy müssen Sie davor nicht zuerst zu Ihrem Arzt, um eine ​angeordnete Psychotherapie zu erhalten. Vielmehr finden Sie online in wenigen Schritten eine passende Therapeutin oder einen passenden Therapeuten, der Sie unterstützt.  

Erfahren Sie in unserem Artikel ​​«Online-Psychotherapie in der Schweiz» dazu, was es mit der Online-Psychotherapie auf sich hat. 

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3 Strategien, um mit People Pleasing umzugehen 

In der Psychotherapie gibt es verschiedenste Strategien und Übungen, um mit People Pleasing umzugehen. Viele davon können auch im Alltag angewendet und geübt werden. Hier drei besonders wirkungsvolle Strategien. 

1. Bewusstsein schaffen 

In der psychotherapeutischen Arbeit geht es darum, den Automatismus des People Pleasing bewusst zu machen – nicht, um ihn loszuwerden, sondern um mehr Wahlfreiheit zu haben. 

Das bedeutet: 

  • eigene Erfahrungen mit theoretischem Wissen verbinden 
  • emotionale und körperliche Selbstwahrnehmung schulen 
  • spüren lernen: Wie fühle ich mich, wenn ich automatisch «Ja» sage? 
  • und: Wie fühlt es sich an, wenn ich bewusst präsent bin und selbst entscheide? 

Zu Beginn eignet sich besonders das Üben von Körperachtsamkeit, beispielsweise mittels eines Body Scans, der regelmässig durchgeführt wird. 

Innere Bilder können ebenfalls unterstützen – etwa ein eigener Raum mit klaren Grenzen. Dabei können Sie sich fragen: «Wie fühlt es sich an, einen Raum einzunehmen, den ich selbst gestalte?» 

Für viele Menschen mit einem ausgeprägten People Pleaser Modus ist das eine befreiende Erfahrung – zunächst ermutigend, dann aber auch herausfordernd. 

Raum einzunehmen, heisst nämlich auch, sichtbar zu werden – und nicht mehr allen gefallen zu können. 

2. Innere Glaubenssätze erkennen und umformulieren 

Viele Menschen mit ausgeprägtem People Pleasing Modus, die sich in Therapie befinden, berichten von Schuldgefühlen und fühlen sich egoistisch oder gar narzisstisch, wenn sie Raum einnehmen und sich selbst wichtig nehmen.  

In diesen Fällen hilft die Frage nach dem Motiv dafür, weshalb Raum für sich selbst beansprucht wird. Geht es darum, Anerkennung oder Kontrolle zu gewinnen oder um das Bewusstsein, dass Sie Raum einnehmen dürfen, ohne etwas leisten zu müssen.  

Hier eignet sich die Arbeit mit eigenen Glaubenssätzen. People Pleasing ist oft verknüpft mit ausgeprägten inneren Wahrheiten, die lange gar nicht ins Bewusstsein gelangen.  

Beobachten Sie sich in Ihrem Alltag und versuchen Sie, eigene Glaubenssätze zu identifizieren:  

  • Wo haben Sie das Gefühl, implizite Erwartungen erfüllen zu müssen, obwohl Sie gar nicht darum gebeten wurden? 
  • Und gibt es alternative Sätze, die Sie als Affirmationen oder Mantras nutzen können, um sich zu stärken? 

Die Antwort auf diese Fragen kann helfen, aufkommende Schuldgefühle besser auszuhalten. Im ​Workbook «People Pleasing und Grenzen setzen» erhalten Sie weitere wertvolle Tipps, um Ihre Glaubenssätze zu ermitteln.  

3. Kommunikative Strategien im Umgang mit People Pleasing 

Das Erlernen von gewaltfreien Kommunikationsstrategien kann sehr hilfreich sein in der Bewältigung von Konflikten, die unvermeidlich entstehen, wenn das automatische «Ja» differenzierter wird und Sie lernen, Ihre eigenen Grenzen zu wahren. 

Eine erste, leicht umsetzbare Strategie kann auch sein, sich Zeit zu verschaffen – zum Beispiel, indem Sie «eine Nacht darüber schlafen», bevor Sie zusagen. Es ist nämlich nicht immer einfach, sofort zu spüren, ob eine Anfrage mit den eigenen Bedürfnissen übereinstimmt. 

​​​​​Auch hier finden Sie im Workbook Tipps und Strategien, die Ihnen weiterhelfen können.  

Starten Sie mit einfachen Übungen und Tipps, um mit People Pleasing umzugehen. Die Expertinnen und Experten von Aepsy haben Ihnen die wichtigsten Hilfsmittel in einem kostenlosen Workbook aufbereitet.  

Meine persönliche Empfehlung als Fachpsychologin im Umgang mit People Pleasing  

People Pleasing ist keine Schwäche, sondern oft eine überlebenswichtige Strategie aus der Kindheit. Im Erwachsenenleben geht es jedoch nicht mehr ums Überleben, sondern um die Frage: «Wer bin ich wirklich – und was will ich?» 

Das mag anfangs egoistisch wirken, bedeutet aber nicht unfreundlich zu werden. Es heisst vielmehr, präsent zu sein, Kontakt mit sich selbst zu haben und dadurch Klarheit in Beziehungen zu schaffen. 

So wächst nicht nur die eigene Lebendigkeit, Genuss- und Liebesfähigkeit, sondern auch die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv und authentisch zu lösen – und Kompromisse zu finden, die für alle passen. 

Der Weg führt nicht über Selbstabwertung oder Verurteilung, sondern über die Schaffung von Bewusstsein, Selbstmitgefühl und neue Wahlmöglichkeiten. 

Es geht darum, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen – körperlich, emotional und geistig. 

Denn erst wenn Sie sich selbst spüren, können Sie wirklich entscheiden: 

Was will ich – jetzt, heute, in diesem Moment? 

Wann ist eine Psychotherapie sinnvoll bei People Pleasing? 

​​Je nach Lebenssituation und Biografie kann es sinnvoll sein, bei diesem Weg eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, um den eigenen Selbstwert zu stärken und sich mit dem persönlichen «People-Pleasing-Modus» auseinanderzusetzen. 

Vor allem dann, wenn bereits ​​Symptome eines Burnouts vorliegen, aber auch, wenn Scham- und Schuldgefühle so stark sind, dass alternative Verhaltensweisen kaum umgesetzt werden können – und es unmöglich erscheint, überhaupt einmal «Nein» zu sagen. Dank Zusatzversicherungen wie ​Atupri Intense wird die Psychotherapie noch einfacher zugänglich. So beteiligt sich die Versicherung mit bis zu CHF 2'000.– an Sitzungen, die über ​den ​Psychotherapie-Plattform Aepsy erfolgen.  

Häufige Fragen rund ums People Pleasing

So lässt sich People Pleasing, zu deutsch auch «Harmoniesucht» am besten beschreiben: 

  • Tief verankertes Bedürfnis, Erwartungen anderer zu erfüllen – auf Kosten der eigenen Bedürfnisse und um Liebe und Anerkennung von aussen zu erhalten 
  • Keine Charakterschwäche, sondern ein psychischer Anpassungsmechanismus 
  • Häufig mit Überverantwortlichkeit und Konfliktvermeidung verbunden 
  • Entsteht oft durch Erfahrungen aus der Kindheit wie Parentifizierung oder emotionale Vernachlässigung 

Das sind die gängigen Anzeichen des People Pleasing: 

  • Übermässiges Verantwortungsgefühl für Probleme oder Gefühle anderer 
  • Sagt «Ja», obwohl innerlich ein «Nein» gemeint ist 
  • Perfektionismus und hohe Leistungsorientierung 
  • Hohe Sensibilität für Stimmungen anderer 
  • Schuldgefühle und Grübeln nach sozialen Begegnungen 
  • Starke Konfliktvermeidung 

Die negativen Folgen von People Pleasing können vielseitig sein und sollten ernst genommen werden. Hier finden Sie einige der möglichen Folgen: 

  • Psychische Belastungen wie Erschöpfung, Depression, Angststörungen 
  • Körperliche Symptome durch chronischen Stress (z. B. Schlafprobleme, Verspannungen, Rückenschmerzen, Migräne) 
  • Geringes Selbstwertgefühl und fehlender Selbstkontakt 
  • das Gefühl ausgenutzt zu werden in Beziehungen
  • Burnout-Risiko durch ständige Überlastung 

Hier erhalten Sie einige Tipps, wie sie lernen können, Ihre Grenzen zu setzen: 

  • Selbstwahrnehmung trainieren (z. B. Body Scan, Achtsamkeitsübungen) 
  • Gewaltfreie Kommunikation erlernen 
  • Entscheidungsaufschub: «Darüber schlafen» statt sofort zusagen 
  • Glaubenssätze erkennen und durch positive Affirmationen ersetzen 
  • Eigene Grenzen visualisieren (innerer Raum mit klaren Grenzen) 
  • In der Psychotherapie Automatismen bewusst machen 

Grundsätzlich können alle Persönlichkeitstypen und Geschlechter von People Pleasing betroffen sein, allerdings gibt es einige Merkmale, die es begünstigen: 

  • Häufiger bei weiblich gelesenen Personen durch gesellschaftliche Erwartungen und Benachteiligung 
  • Menschen mit hoher Empathie, hoher Sensibilität und starkem Harmoniebedürfnis 
  • Personen mit früher Verantwortungsübernahme in der Kindheit (Parentifizierung) 

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Aepsy und wurde mit Unterstützung der Fachpsychologin Zaira Juarez erarbeitet.

Über die Autorin:   

Zaira Juarez, Fachpsychologin für Psychotherapi​​e 

Zaira Juarez ist Fachpsychologin für Psychotherapie mit Schwerpunkt Körperpsychotherapie. Sie begleitet Menschen ein Stück ihres Weges, unterstützt sie dabei, persönliche Herausforderungen zu verstehen und neue Formen des Umgangs zu entwickeln. Dabei legt sie Wert auf eine ganzheitliche Sichtweise, Offenheit und einen wertfreien Perspektivenwechsel. 

Über unsere Kooperation mit Aepsy:  

Wir arbeiten mit Aepsy zusammen, um Ihnen einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu qualifizierter psychologischer Unterstützung zu ermöglichen. So möchten wir sicherstellen, dass Sie sich sowohl körperlich als auch ​​mental bestmöglich betreut fühlen. 


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