Wechseljahre: Was im Körper einer Frau passiert
Die Wechseljahre auf einen Blick
- Die Wechseljahre erstrecken sich über mehrere Jahre, und lassen sich in vier Phasen unterteilen: Prämenopause, Perimenopause, Menopause und Postmenopause.
- Sinkende Hormone beeinflussen nicht nur den Zyklus, sondern auch Schlaf, Stimmung, Haut, Konzentration und Sexualität.
- Die Beschwerden und Veränderungen der Wechseljahre lassen sich am effektivsten durch Lebensstil-Anpassungen und Hormontherapie behandeln.
- Jede Frau erlebt die Wechseljahre anders. Beobachten Sie Ihren eigenen Körper und holen Sie bei Bedarf fachlichen Rat ein.
Was sind die Wechseljahre?
Mit den Wechseljahren beginnt für Frauen ein neuer Lebensabschnitt. Der Körper stellt die Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron schrittweise um. Das ist ein Prozess, der sich in vier Phasen über mehrere Jahre erstrecken kann.
Diese hormonellen Veränderungen beeinflussen nicht nur den Menstruationszyklus, sondern wirken sich auch auf Schlaf, Stimmung, Haut, Schleimhäute, Konzentration, das allgemeine Wohlbefinden oder die Sexualität aus.
Typische Symptome wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, vaginale Trockenheit und Stimmungsschwankungen können den Prozess begleiten. Doch viele weitere Zeichen des Körpers wie Gelenk- und Muskelschmerzen oder Gedächtnisprobleme werden oft als «Alterserscheinungen» abgetan, während sie ebenfalls Folgen des sinkenden Hormonspiegels sein können.
Was sind die vier Phasen der Wechseljahre?
Wie der Menstruationszyklus, lassen sich auch die Wechseljahre in vier Phasen unterteilen:
1. Prämenopause: Wenn der Zyklus unregelmässiger wird
Bereits ab dem 40. Lebensjahr beginnt bei vielen Frauen die erste Phase der Wechseljahre. In dieser Zeit beginnen die Hormone zu schwanken, was zu Unregelmässigkeiten im Zyklus führt. Die Zyklen dauern oft länger und die Blutungen sind stärker. Auch Zwischenblutungen sind möglich. Gleichzeitig nimmt in der Prämenopause der Vorrat an Eizellen in den Eierstöcken langsam ab. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft. Sie ist jedoch weiterhin möglich.
2. Perimenopause: Übergang in die Menopause
Die Perimenopause beginnt in den meisten Fällen ein bis zwei Jahre vor der letzten Menstruation und kann bis zu einem Jahr danach andauern. In dieser Zeit verändern sich die Zyklen deutlich: Die Abstände werden grösser, die Blutungen werden oft schwächer und unregelmässiger, bis sie schliesslich ganz ausbleiben.
Die hormonellen Schwankungen sind in dieser Phase besonders stark und bilden den Übergang in die Menopause. Der Eizellen-Vorrat in den Eierstöcken nimmt weiter ab, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft noch weiter verringert.
3. Menopause: Zeitpunkt der letzten Periode
Die Phase der letzten Monatsblutung dauert nur ein paar Tage. Der genaue Zeitpunkt lässt sich jedoch erst rückblickend festlegen, wenn die Periode danach ein ganzes Jahr lang ausgeblieben ist. Die Hormonspiegel nehmen in dieser Phase weiter ab und die Fruchtbarkeit endet. Im Durchschnitt erleben Frauen ihre letzte Regelblutung im Alter von rund 51 Jahren.
4. Postmenopause: Stabilisierung des Hormonhaushalts
Etwa zwölf Monate nach der letzten Periode beginnt die Postmenopause. In dieser Phase stabilisiert sich der Hormonhaushalt auf einem neuen, niedrigen Niveau. Viele typische Beschwerden der Wechseljahre lassen nach, andere Symptome wie Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen können jedoch weiterhin bestehen.
Die Wechseljahre verlaufen bei jeder Frau unterschiedlich.
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«Beginn, Dauer sowie Art und Intensität der Symptome können stark variieren. Während manche Frauen kaum Beschwerden haben, sind sie bei anderen deutlich ausgeprägt. Es ist deshalb wichtig, den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen, Veränderungen zu beobachten und bei Unsicherheiten oder belastenden Symptomen fachlichen Rat einzuholen.»
Dr. Antonios Liolios, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
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Symptome und Beschwerden der Wechseljahre
Die Wechseljahre betreffen mehr als nur den Menstruationszyklus. Durch die hormonelle Veränderung können körperliche und psychische Veränderungen in unterschiedlicher Ausprägung auftreten. Einige Beschwerden sind typisch für die Wechseljahre, andere hingegen werden meist nicht direkt damit in Zusammenhang gebracht. Doch gerade diese unsichtbaren Symptome können den Alltag einer Frau stark beeinflussen.
Typische Symptome der Wechseljahre
Diese Beschwerden werden häufig direkt mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht:
- Hitzewallungen und Nachtschweiss
- Schlafstörungen
- Vaginale Trockenheit und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Veränderungen der Libido
- Stimmungsschwankungen
Weniger bekannte Symptome der Wechseljahre
Ab Anfang 40 leiden viele Frauen an Symptomen wie zum Beispiel Inkontinenz oder Gelenk- und Muskelschmerzen, die irgendwann schleichend auftreten und oft nicht mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht werden. Die Gynäkologin Dr. Sheila de Liz erklärt in ihrem Buch «Woman on Fire», dass körperliche Beschwerden die Lebensqualität erheblich einschränken können. Die Haut wird trockener, das Haar dünner, um die Taille lagern sich Fettpölsterchen an – Veränderungen, die tief ins Selbstbild eingreifen können.
Ein weiteres, selten diskutiertes Thema sind kognitive Veränderungen. Viele Frauen berichten auch von Gedächtnisproblemen und Konzentrationsschwierigkeiten. «Oft werden Symptome verschwiegen, aus Angst, nicht ernst genommen zu werden», so de Liz. Und tatsächlich bestätigen Studien, dass Frauen, die über Schmerzen klagen, häufig keine Schmerz-, sondern Beruhigungsmittel verschrieben werden – im Gegensatz zu Männern, die beim gleichen Anliegen Schmerzmittel erhalten. Aber die gute Nachricht ist: Hilfe ist möglich!
Woman on Fire: Neue Perspektive auf die Wechseljahre
Dr. Sheila de Liz, eine in Deutschland praktizierende amerikanische Gynäkologin, hat mit ihrem höchst informativen und sehr unterhaltsamen Buch «Woman on Fire» in den letzten Jahren eine wahre Kommunikationsflut zum Thema Wechseljahre ausgelöst. Ihre offene und direkte Art, über Frauengesundheit zu sprechen, öffnet uns die Tür zu einem tieferen Verständnis dieser Lebensphase und holt diese anspruchsvolle Zeit aus der Tabuzone.
(Hör-)Buch für Frauen und Männer über 40: De Liz, Sheila (2020): Woman on Fire. Alles über die fabelhaften Wechseljahre. Rowohlt. ISBN: 9783499003172
Behandlung der Symptome und Beschwerden der Wechseljahre
«Niemand erhält eine Trophäe fürs Aushalten der Wechseljahresbeschwerden!», sagt die Gynäkologin Dr. Sheila de Liz. Und tatsächlich: Beschwerden in den Wechseljahren lassen sich heute auf unterschiedlichste Arten behandeln. Da zahlreiche Symptome vor, während und nach der Menopause Folgen des Hormonmangels sind, können Yoga und pflanzliche Präparate die Beschwerden zwar lindern, den Mangel aber nicht beheben.
Als wirksamste Behandlung gilt die Hormontherapie, etwa in Form von Hormongels, die auf die Haut aufgetragen und vom Körper aufgenommen werden. Die meisten Betroffenen sind damit schnell wieder symptomfrei, haben wieder mehr Energie, kein Ziehen in den Knochen mehr nach dem Aufstehen, die Vagina ist angenehm feucht und schmerzfrei, damit penetrativer Sex auch wieder Spass macht, und auch die depressiven Verstimmungen lassen nach. Hormonersatztherapien werden aber nicht bei allen Frauen empfohlen, da das Risiko von gewissen Krebsarten steigen kann. Darum ist bei einer solchen Therapie immer eine medizinische Abklärung nötig.
Studien zeigen ausserdem, dass Wechseljahresbeschwerden nicht nur von Hormonen abhängen. Auch die eigene Einstellung zur Menopause und das Bild, das Frauen aus Familie oder Medien mitbekommen, können beeinflussen, wie Symptome erlebt werden. Ebenso wichtig ist, sich im eigenen Körper wohlzufühlen und zu wissen, was einem guttut – auch in der Sexualität. Wer den eigenen Körper besser kennt, kann diese Lebensphase oft selbstbestimmter gestalten.
Ergänzend dazu unterstützen eine gesunde, ausgewogene Ernährung, ein aktiver Lebensstil und Sport nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch das psychische Wohlbefinden.
Entscheiden Sie sich aber in jedem Fall für eine Behandlungsmethode, die zu Ihren Symptomen, Ihrer Krankengeschichte und Ihren Bedürfnissen passt und lassen Sie sich bei Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt beraten.
Wann sollte ich medizinische oder psychologische Beratung einholen?
Wenn die Beschwerden der Wechseljahre Ihren Alltag beeinträchtigen, nach einigen Tagen nicht nachlassen oder Sie sich dauerhaft erschöpft, überfordert oder emotional belastet fühlen, sollten Sie fachlichen Rat einholen. Ein Beispiel hierfür könnten anhaltende Bauchschmerzen sein. Denn Sie müssen die Beschwerden nicht allein bewältigen – Unterstützung anzunehmen ist ein wichtiger Schritt.
Wechseljahre in der Partnerschaft: Wie können Sie unterstützen?
Die Wechseljahre sind nicht nur eine Herausforderung für die betroffene Frau selbst, sondern auch für die Partnerschaft. Emotionale Schwankungen können zu Spannungen und Missverständnissen führen. «In dieser Zeit müssen Paare lernen, neu miteinander zu kommunizieren», betont de Liz in ihrem Buch. Offenheit, Interesse und gegenseitiges Verständnis sind entscheidend, um diese Phase gemeinsam zu gestalten.
Da der weibliche Körper ab dieser Zeit unter anderem weniger Östrogen produziert, sind Frauen weniger als bisher bereit, nachzugeben und sich für die Bedürfnisse anderer aufzuopfern. «Frauen finden in dieser Zeit endlich heraus, was sie eigentlich wollen, und entwickeln die Kraft, sich wirklich um sich selbst und um ihre eigenen Bedürfnisse zu kümmern» erklärt auch de Liz in «Woman on Fire».
Für viele Partnerinnen und Partner ist das eine verwirrende Zeit. Umso wichtiger ist es, schon früh darüber zu sprechen und die Wechseljahre wie auch die Andropause der Männer als gemeinsame Projekte zu betrachten. Mehr zur Andropause mit den Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie im Artikel «Andropause: Was die «Wechseljahre» der Männer wirklich sind».
Veränderte Sexualität mit den Wechseljahren: Sprechen Sie darüber!
Auch Veränderungen der Libido können für die Partnerschaft belastend sein. «Ein offenes Gespräch kann hier Wunder wirken», rät de Liz.
Sexualität darf sich verändern, langsamer, achtsamer und vielfältiger werden. Es geht darum, gemeinsame neue Wege zu entdecken, die Intimität neu zu definieren und ein Verständnis füreinander zu entwickeln. Ein erster wichtiger Schritt kann sein, sich gemeinsam über die Wechseljahre zu informieren.
Führen die Veränderungen zu einer anhaltenden Belastung oder leidet die Qualität der Beziehung, kann eine psychologische und/oder sexologische Beratung sinnvoll sein.
Let’s talk about sex, baby!
Wie gelingt ein offenes Gespräch über Wünsche, Vorlieben und Grenzen beim Sex?
Haben wir uns auch gefragt – und darum zusammen mit einer Sexologin einen Leitfaden entwickelt. Für ein Gespräch ganz ohne Scham und Stress, spielerisch und offen.
Über die Autorin:
Miriam Siegenthaler, Sexologin M.A | FSS
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Miriam Siegenthaler ist Sexologin (Master of Arts) und Medien- & Kommunikationsbeauftragte des Fachverbandes für Sexologie Schweiz (FSS). In ihrer Praxis in Bern begleitet sie Einzelpersonen, Paare und Menschen in Mehrpersonensettings bei Fragen rund um Sexualität, Beziehung und sexuelle Gesundheit. Dabei unterstützt sie Menschen dabei, ihre eigenen Bedürfnisse bewusster wahrzunehmen und einen stimmigen Umgang mit Körper, Lust und Beziehung zu entwickeln.
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